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Sonntag, 29. Mai 2011

Enthaltung

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Enthaltung ist der III. Teil eines Zyklus des Ohrenschützers zum Thema "Apokalypse", im Konkreten "Das schwarze Pferd":
"Und als es das dritte Siegel auftat, hörte ich die dritte Gestalt sagen: Komm! Und ich sah, und siehe, ein schwarzes Pferd. Und der darauf saß, hatte eine Waage in seiner Hand. Und ich hörte eine Stimme mitten unter den vier Gestalten sagen: Ein Maß Weizen für einen Silbergroschen und drei Maß Gerste für einen Silbergroschen; aber dem Öl und Wein tu keinen Schaden!"

Der vierte Teil wurde bereits hier online gestellt; im dritten Teil wird Richards Aufenthalt im Gefängnis beschrieben und seine unfreiwillige Enthaltsamkeit mit dem Weglassen der Verben ausgedrückt (bis auf die Traumszenen). Dadurch wird der Text staubtrocken, unhandlich und hart. Das apokalyptische Ende stellt das Ende der Lebenslust dar.

Montag, 27. Dezember 2010

Der Ohrenschützer - live

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Als besondere Weihnachts- und Jahreswechsel-Überraschung präsentiert der Ohrenschützer einen Live-Mitschnitt aus der kürzlich veranstalteten Lesung. Entgegen den üblichen Konventionen wurden nur eigene Texte gelesen, das Publikum hat es hörbar goutiert. Die Bühnenpräsenz machte die Sound-Effekte, die hier auf dem Podcast immer wieder eingestreut sind, mehr als wett. Es ist zu hören: "Der Gedankenstrom", "Der Zielstrom" und "Der Wirklichkeitsstrom".

Es wünscht sohin seinen Hörern ein wunderschönes Jahr 2011: Der Ohrenschützer.

Samstag, 11. September 2010

Abschlussbericht

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Der Ohrenschützer meldet sich nach einem turbulenten Sommer verspätet zurück, hat nun auch wieder Stimme und setzt selbige für einen eigenen Text in Szene, welcher wiederum einen Wettbewerb gewonnen hat. Im Literaturforum "Literarchie" ausgeschrieben, sollte das Thema "Apokalypse - der vierte Reiter - das fahle Pferd" behandelt werden. Die Welt geht im Text, obwohl er in der Jetztzeit spielen könnte, auch wirklich unter, wenn auch nur für den Protagonisten.
Dazu aus der Offenbarung, Kapitel 6, Vers 7-8:
"Als das Lamm das vierte Siegel öffnete, hörte ich die Stimme der vierten Gestalt rufen: Komm! Da sah ich ein fahles Pferd; und der, der auf ihm saß, heißt 'der Tod' und die Unterwelt zog hinter ihm her."

Montag, 28. Juni 2010

Gefallen (3/3)

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Eins plus zwei ist drei; aus der Verschränkung der beiden ersten Gefallen-Teile ergibt sich als Schnittmenge ein Abtauchen in die Poesie. Wenn unter der Oberfläche des Sees ein kleines Unterseeboot schwömme, dann sähe es ein Gleichnis für den an seinen eigenen Fäden hängenden modernen Menschen. Mit Messer und fremdangeeignetem Konstrukt stumm den wellenartigen Bewegungen ausgeliefert. Ein Hampel an der Leine.

Montag, 21. Juni 2010

Gefallen (2/3)

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Der zweite Teil der "Gefallen"-Trilogie des Ohrenschützers - nur lose verknüpft mit dem ersten, aber in ein gemeinsames Conclusio führend. Dieses "Gefallen" ist das findende welche, der innere Monolog eines Alten, der auf der Toilette sterben wird, sich dort doppelt erleichternd. Aber das gehört schon nicht mehr hierher...

Donnerstag, 10. Juni 2010

Gefallen (1/3)

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Aus einem frühen Romanentwurf des Ohrenschützers, dem schon manche Idee in eine abgeleitete Kurzgeschichte abhanden gekommen ist. Hier ein dreiteiliges Konzept über einen Fall und dass ein Ende sich manchmal selbst nicht findet. Michael Haneke hätte vielleicht Freude daran.
Sie hören Teil eins.

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Rap

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Die moderne Variante, Aggression zu transportieren, ist im musikalischen Bereich (im weiteren Sinne) der Rap. Ist er das? Aggression, die in diesem Fall aus einer lapidaren, phrasenhaften Ablehnung eines vorgebrachten Wunsches entstanden ist. Wie die letzte Zeile zeigt, erzeugt sie ihrerseits wiederum keine Sensibilität als Reaktion. Ein - wie so oft - augenzwinkernder Beitrag des Ohrenschützers mit viel Spaß an der Umsetzung.
Es stimmt: Man kann nicht *alles* haben.
Man kann aber auch nicht *nichts* haben.

Freitag, 4. September 2009

StreichHolzKopf

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"Es streicht ein roter Virus da um mich herum; holt sich, was er zu brauchen glaubt. Mein Kopf brennt lichterloh; und wer die Fußspuren des Brandstifters zurückverfolgt, wird an meinem blauen Haus ankommen. Wer war Täter, wer Opfer dieser Zündelei? Sind wir uns nach kurzer Entzündung schon so nah, dass ich nicht mehr zwischen uns unterscheiden kann?"
So echot es diesem Text des Ohrenschützers aus der Gedichtesammlung "Bleistift durchs Papier" voraus.

Mittwoch, 29. Juli 2009

Wir Schwierigen

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Aus der Vielfalt dessen, das wir Ich nennen, mit seinen bunten Schattierungen und sich ständig wandelnden Ausprägungen, entstand dieser Text des Ohrenschützers und seine ungewöhnliche Umsetzung. Man bemühe sich nicht, dem musikalischen Teil einen Sinn abzugewinnen, er ist letztlich für eine warm-sakrale, sich-verkehrende Stimmung zuständig. Nachdem es unter der werten Hörerschaft einige Fans des Schrägen gibt, könnte auch dieser bescheidene Beitrag Gefallen finden.

Sonntag, 28. Juni 2009

Der Fischer Abu Kensih

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Es geht die Legende von einem Riesenfisch unbekannter Art, der nachts Boote vor Anker wie auch in Fahrt zerstörte. Das Ungetüm hielt die ganze Küste in Atem und es war ihm nicht beizukommen. Bei allen Versuchen, es zu töten oder zu verjagen, waren Verletzte, sogar Vermisste und Tote zu beklagen. Bald wurde es seiner fahlen Haut wegen "der Graue Tod" genannt und eine hohe Belohnung für denjenigen ausgesetzt, der dieser Plage ein Ende bereiteten würde. Das Untier tauchte jedoch zu unregelmäßig und unvermittelt auf, als dass sich ein Erfolg hätte einstellen können.

Bis schließlich ein armer Fischer verbotenerweise nachts in fremden Gewässern fischte, um sich in diesen kargen Zeiten ernähren zu können. Die Fischbestände der legalen Gebiete brachten nicht mehr genug ein, und dies ließ dem Oberhaupt der vielköpfigen Familie keine Wahl. Auf offenem Meer tauchte das Ungeheuer plötzlich vor dem überraschten Mann auf, zerriss dessen Netz und verfolgte ihn bis ans Ufer, kam dort ins Flachwasser und erstickte schließlich dort während der einsetzenden Ebbe.
Die ausgesetzte Belohnung wurde dem Fischer versagt, da das Ungetüm eines natürlichen Todes gestorben sei; statt dessen sollte der Mann gar wegen unerlaubten Fischens bestraft werden. Der Fischer betonte jedoch, das Untier sei nicht erstickt, vielmehr habe er es durch einen Hieb mit seinem Schuh erschlagen. Als man ihn daraufhin auslachte, rächte sich der Fischer in der folgenden Nacht, indem er den Riesenfisch mithilfe seiner Verwandten bis auf die Knochen verzehrte und auch diese noch ins Meer versenkte. Die Obrigkeit, so ihrer Trophäe beraubt, wollte den Mann ins Gefängnis werfen, jedoch stellte sich das Volk auf seine Seite und befreite ihn.

So geht die Legende.

Mittwoch, 3. Juni 2009

Der Strauch der Erinnerung

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Der Ohrenschützer hat sich schon an verschiedenen Genres versucht, nie jedoch an einem Märchen. In knapp einer Stunde verfasst, mit der inneren Vorgabe, ohne Bösewicht oder im Vordergrund stehenden moralischen Zeigefinger auszukommen, bedient sich der Text der klassischen Stilistik: Ein Zwerg wird von einem Wanderer besucht, der ihm verspricht, für ein Nachtlager seine dringendste Frage zu beantworten...

Montag, 9. März 2009

Geschätztes

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Zum morgigen fünfzigsten Jahrestag des Tibet-Aufstands eine Überspitzung: "Lieber Tenzin, komm doch zur Theater-Aufführung; lass deine Leibwächter zuhause, wir brauchen auch keine zeremonielle Prozession. Die westliche Welt hat keinen Respekt vor der östlichen Kultur. Ihre Sicht zählt nicht, ist einseitig und daher nicht zulässig. Wer zu ihr flüchtet, ist nichts wert."
Tenzin lächelt und wünscht sich so etwas wie den gewaltfreien Mauerfall vor zwanzig Jahren. Ob er es noch erleben wird?

Sonntag, 22. Februar 2009

Goldfischs Kinder

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Zum Beweis, dass der Goldfisch nach dem letzten Gedicht über ihn, wie in jeder guten Serie trotzdem nicht tot ist, hier eine Fortsetzung mit dem drolligen Schwimmer.
Das Besondere am Goldfisch ist wohl - erraten - seine Farbe. Wenn sich dabei etwas ändert, wird wohl der Postbote oder Scham darüber die Ursache sein. Oder die Mode.

Sonntag, 8. Februar 2009

Goldfischs Flucht

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Im Jahr 2007 gab es im Literaturforum leselupe.de eine Anthologie zum Thema "Druckfisch". Eine tragende Rolle im Teil der gereimten Gedichte spielte in vielen Abenteuern verschiedener Autoren der drollige Goldfisch, wobei er gemäß dem Gesetz der Serie auch durch einen skurrilen Tod nicht auszumerzen war, sondern im nächsten munter und fröhlich wieder auftauchte. Was ihn vom Kuckuck unterscheidet, der bekanntlich immerhin ein Jahr brauchte, um nach dem Abschuss durch den Jäger wieder aufzutauchen ("Auf einem Baum ein Kuckuck - simsalabimbamba..."). Viel Vergnügen wünscht der Ohrenschützer.

Dienstag, 30. Dezember 2008

Der Zielstrom

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Der letzte Teil der Strom-Trilogie des Ohrenschützers beschreibt den Zustand ruhigerer Gewässer, den der Wildwasser-Kajakfahrer erst langsam zu genießen lernt. Gleichzeitig ist das kontemplative Dahingleiten ein potentielles Annähern an den nächsten Wasserfall, dem man mit gemischten Gefühlen entgegen sieht. Die Geburt als ein Dem-Nichts-Entspringen, der Tod als ein Aufgehen in einem alles vereinenden Seelenmeer; wie viel bleibt da an Aufregung und Beschaulichem dazwischen?

Montag, 15. Dezember 2008

In Schwebe

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Dieser Text ist nur auf den ersten Blick in der falschen Jahreszeit gelandet. Jetzt im Dezember, wenn man sich nach heißen Sommernächten sehnt, weil der eisige Wind die frostigen Temperaturen verstärkt. Mit blau verfärbtem Gesicht, Finger und Zehen erinnert man sich an Jahreszeiten, in denen man nachts im kurzärmeligen Hemd spazieren ging, ohne irgendwo anzufrieren. Der hier vorgestellte Text des Ohrenschützers handelt von so einer extrem schwülen Sommernacht, in der sich die Gedanken nur träge bewegen, und der Weg vom Leben zum Tod sich seltsam verkürzt.

Sonntag, 30. November 2008

Umgängliches

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Man kann sich vielleicht vorstellen, welch Heiterkeit es bei Gott ausgelöst hat, in der Tageszeitung eine Verkaufs-Anzeige für eine "Statue Gott-Vater, überlebensgroß" zu lesen. Das gemeine Exemplar der Gattung Mensch kann eben häufig nicht über den eigenen Tellerrand blicken. Wer sich bei Gott beschwert, sich das Gesülze von langweiligen, spießigen Mitmenschen anhören zu müssen, gibt möglicherweise gerade dadurch seinem Gegen-Über einen plastischen Eindruck dieses Gefühls. So zu hören in diesem Gedicht des Ohrenschützers.

Sonntag, 16. November 2008

Der Tod des Fürsten (2/2)

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Nunmehro der zweite und letzte Teil dieses Texts. Der Fürst wird in eine heile Welt hineingeboren, deren Kulissen erst am Ende fallen. Sein Leben entpuppt sich als ein Spiel zum Selbstzweck, mit höchstem Einsatz. Als ein Opfer seiner Untergebenen, um das er nicht gebeten hat, von dem er nicht einmal wusste. Hätte er es andernfalls wohl geändert? Radikal oder moderat? Hätte er es vor sich selbst vertreten können? Oder anders gefragt: Ist derjenige schuldig, der nicht in Erfahrung gebracht hat, auf wessen Kosten er paradiesisch lebte?

Montag, 3. November 2008

Der Tod des Fürsten (1/2)

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Auf speziellen Wunsch heute ein längerer Prosatext des Ohrenschützers, der wegen Überlänge in zwei Teilen serviert wird. Es tümelt darin ein wenig alter, doch das ewige Menschheitsthema Sinn und Tod kann wohl in jeder Zeit transportiert werden. Die Handlung in einem Satz: Vor den Augen des sterbenden Fürsten baut sich kaskadisch und in düsteren Bildern eine radikale Erkenntnis auf...

Montag, 13. Oktober 2008

Playing Baby Jane

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Heute erwartet den geneigten Hörer ein etwas längerer Text des Ohrenschützers, womit dessen prosaische Seite ein wenig beleuchtet werden soll. Damit sollte auch die Frage augelotet werden, inwieweit Dialoge glaubwürdig transportiert werden können. Wer mit der melancholischen Wirkungsweise der sogenannten Blue Notes vertraut ist, wird beim Hören der Geschichte einer verblühten Liebe vermutlich ein Déjà-vu erleben. Oder ein Déjà-écouté.