Montag, 15. Dezember 2008

In Schwebe

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Dieser Text ist nur auf den ersten Blick in der falschen Jahreszeit gelandet. Jetzt im Dezember, wenn man sich nach heißen Sommernächten sehnt, weil der eisige Wind die frostigen Temperaturen verstärkt. Mit blau verfärbtem Gesicht, Finger und Zehen erinnert man sich an Jahreszeiten, in denen man nachts im kurzärmeligen Hemd spazieren ging, ohne irgendwo anzufrieren. Der hier vorgestellte Text des Ohrenschützers handelt von so einer extrem schwülen Sommernacht, in der sich die Gedanken nur träge bewegen, und der Weg vom Leben zum Tod sich seltsam verkürzt.

Sonntag, 7. Dezember 2008

Sommersonate

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Es gibt wohl wenige Autoren, die ein lupenreines Sonett mit aktuellen Themen besetzen können, ohne dass es gekünstelt, entfremdet oder wirr klingt. Der Autor, der unter dem Namen Walther Stonet bekannt ist, verfügt sowohl über das entsprechende Wissen, als auch über die kreative Fähigkeit, dies mit Bravour zu meistern. Die Zahl seiner Gedichte ist Legion, und er bestreitet selbst gut besuchte Lesungen - doch diese Umsetzung seiner inhaltlich brisanten "Sommersonate" sei dem Ohrenschützer vorbehalten. Dieser entschuldigt sich (ganz in Waltherscher Bescheidenheit) für die laienhaft anmutende Untermalung, die jedoch zur Gänze dem eigenen Munde entquoll und den brisanten Inhalt entsprechend modern unterstreichen soll.

Sonntag, 30. November 2008

Umgängliches

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Man kann sich vielleicht vorstellen, welch Heiterkeit es bei Gott ausgelöst hat, in der Tageszeitung eine Verkaufs-Anzeige für eine "Statue Gott-Vater, überlebensgroß" zu lesen. Das gemeine Exemplar der Gattung Mensch kann eben häufig nicht über den eigenen Tellerrand blicken. Wer sich bei Gott beschwert, sich das Gesülze von langweiligen, spießigen Mitmenschen anhören zu müssen, gibt möglicherweise gerade dadurch seinem Gegen-Über einen plastischen Eindruck dieses Gefühls. So zu hören in diesem Gedicht des Ohrenschützers.

Sonntag, 23. November 2008

4-eckiges Küssen

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Die hervorstechendste schriftstellerische Eigenschaft von Willi van Hengel ist wohl seine Experimentierfreudigkeit. Sowohl seine Miniaturen - "Wunderblöcke", wie er sie nennt -, als auch seine längeren Texte sind geprägt von einer erfrischenden Neugierde der Sprache gegenüber. Der ungewöhnliche Klang seiner Texte und die unterschiedlich schattierten Assoziationen geben den Worten somit kleine Widerhaken, an denen man sich festsetzen kann. Interessant ist auch, dass sich die Besonderheiten der kurzen Texte auch zu stimmungsvollen, intensiv erzählten Romanen formen können. Mit wärmsten Empfehlungen des Ohrenschützers.

Sonntag, 16. November 2008

Der Tod des Fürsten (2/2)

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Nunmehro der zweite und letzte Teil dieses Texts. Der Fürst wird in eine heile Welt hineingeboren, deren Kulissen erst am Ende fallen. Sein Leben entpuppt sich als ein Spiel zum Selbstzweck, mit höchstem Einsatz. Als ein Opfer seiner Untergebenen, um das er nicht gebeten hat, von dem er nicht einmal wusste. Hätte er es andernfalls wohl geändert? Radikal oder moderat? Hätte er es vor sich selbst vertreten können? Oder anders gefragt: Ist derjenige schuldig, der nicht in Erfahrung gebracht hat, auf wessen Kosten er paradiesisch lebte?

Montag, 10. November 2008

Mondsüchtig sei sie, sagt die Sonne

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Man vermutet oft, dass sie ein Pseudonym verwende, amüsiert sich Elke Nachtigall. Aber ihr bürgerlicher Name ist eben ähnlich lyrisch wie ihr literarisches Auftreten, wobei ihren Texten weit mehr als ein zart-trällerndes Zwitschern entnommen werden kann. Ihre Stärke ist wohl die richtige Mischung aus trittsicherem Handwerk und kreativer Experimentierfreudigkeit, wie sie auch beim hier vorgestellten Werk zutage kommt: Ein Text, dessen Zeilen mit unsichtbaren Fäden miteinander verwoben sind und sich schlussendlich wie eine homogene Kugel vor dem geistigen Auge des Lesers zusammensetzt.

Montag, 3. November 2008

Der Tod des Fürsten (1/2)

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Auf speziellen Wunsch heute ein längerer Prosatext des Ohrenschützers, der wegen Überlänge in zwei Teilen serviert wird. Es tümelt darin ein wenig alter, doch das ewige Menschheitsthema Sinn und Tod kann wohl in jeder Zeit transportiert werden. Die Handlung in einem Satz: Vor den Augen des sterbenden Fürsten baut sich kaskadisch und in düsteren Bildern eine radikale Erkenntnis auf...